the blue moon

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Montag, 12. Juli 2010

07.07.10 auf in die Tuerkei



Der Weg in die Tuerkei beinhaltete noch einige Ungereimtheiten: Eigentlich hatte ich am Vorabend beschlossen von Tserevo aus in die Tuerkei zu Trampen. Von Tserevo fuehrt laut Karte eine Strasse in Richtung Grenze. Aber als Schopper mir mitteilte, dass sich die Strasse in einem schlechten Zustand befindet, machte ich mir ueber mein Vorhaben Gedanken. Wie dem auch sei, der Entschluss war zunaechst gefasst und ausserdem gab es sowieso keine Alternative. So stand ich mit Sack und Pack um 8 Uhr an der Bushaltstelle und wartete auf den Bus nach Tserevo. Doch als mich beim Einsteigen der Busfahrer ob ich nach Burgas moechte, revidierte ich meine Plaene und ich entschloss mich kurzerhand die Variante ueber Burgas nach Vice zu waehlen. Dabei wollte ich auf jeden Fall – auch wenn es voelliger Schwachsinn ist – nach der vergessenen Kamera am Busbahnhof von Burgas fragen.
In Burgas angekommen und kaum aus dem Bus gestiegen quatschte mich auch schon wieder einer an. Noch recht freundlich gestimmt liess ich ihn erst stehen, als er mir anbot Geld zu tauschen. Die folgenden Recherchen nach meiner verlorenen Kamera waren natuerlich voellig zwecklos. Auch die Suche nach einem Anschlussbus nach Kirkareli (Tuerkei) war nicht einfach. Es fuhr zwar ein Bus vom Busbahnhof dorthin, doch erst am folgenden Morgen. Da wurde mir mal wieder deutlich wie schwierig es ist vernuenftige Informationen zu bekommen. Ein Typ, der mir zwar auch gern was angedreht haette, gab mir dann den entscheidenden Tipp: Ich solle ein paar hundert Meter der Strasse vom Busbahnhof aus folgen, wo sich ein Buero eines Busunternehmens befindet.
Das tat ich – und tatsaechlich – in 1,5 Stunden fuhr von dort ein Bus ueber Kirkareli nach Istanbul. Wobei ich von Ufuk (mein Couchsurfing-Kontakt) musste, dass ich von Kirkareli Anschluss nach Vice habe. Zwar kam der Bus gut eine dreiviertel Stunde spaeter als gesagt, aber er kam wenigstens. Das einzig bemerkenswerte an der folgenden Busfahrt war der Aufenthalt an der Grenze: Alle mussten ihr Gepaeck den Zoellnern praesentieren.
Als ich in Kirkareli ausstieg besorgte ich mir schnell tuerkisches Geld und bestieg unmittelbar danach den Bus nach Vice. Wo ich gegen 17:30 ankam. Was fuer eine Tortour, dachte ich. Jetzt musste ich nur noch die Wohnung von Ufuk finden, dachte ich. Auf dem Weg durch den Ort fuehlte ich mich auf einmal wohl – ich war froh in der Tuerkei zu sein. Es kam mir alles so vertraut vor, wie in Berlin-Kreuzberg. Kurz entschlossen ging ich auf ein paar Typen zu, die vor einem der bekannten tuerkischen Teehaeuser standen. Zunaechst fragte ich, ob jemand englisch spricht. Und tatsaechlich: einer der Jungs hatte englisch Kenntnisse. Den machte ich deutlich, dass ich eine Adresse suche und zeigte ihn einen Zettel auf der ich Ufuks Anschrift notiert hatte. Alle reagierten voellig freundlich auf mich. Einer nahm den Zettel an sich und machte sich auf die Suche nach der Anschrift. Wie sich herausstellte war meine Idee mit dem Zettel und die Leute zu fragen wirklich gut. Allein haette ich die Wohnung in dem Ort nie gefunden. Natuerlich wurde ich auch sogleich zum Tee eingeladen. Nach kurzer Zeit waehrend ich den Tee schluerfte, kehrte der „Wohnungssucher“ mit der frohen Botschaft zurueck, die Adresse gefunden zu haben. Sogleich machten wir uns auch gleich auf dem Weg. Am Haus angekommen, wurden auch schon die ersten Gespraeche mit den Bewohnern des Hauses gefuehrt. Kurze Zeit spaeter beugte sich eine Frau ueber die Bruestung eines Balkons: Volkan uebersetzte mir Ufuk sei noch auf der Arbeit – ich war angekommen! Es wurden einige Telefonate gefuehrt, ich sprach mit Ufuk. Deponierte meine Sachen in der Wohnung von Ufuk und verschwand wieder mit meinen Gefolge. Wir gingen zurueck zum Teehaus. Unterwegs mussten einige Haende geschuettelt werden. Alle Menschen begegneten mir freundlich schienen Interesse an mir zu haben, ohne mir etwas verkaufen zu wollen. Nach dem naechsten Tee gingen wir gemeinsam was Essen bzw. ich ass und die anderen sassen dabei. Irgend jemand bezahlte – in der ganzen Zeit in Vice bezahlte ich nichts mehr. Alles was ich ass oder trank wurde bezahlt. Natuerlich versuchte ich zwischen durch meine Rechnung selber zu bezahlen, ohne Erfolg. Spaeter, nach der Besichtigung einer Burgruine, kehrten zum Teehaus zurueck, um uns das Fussballspiel Deutschland gegen Spanien anzuschauen. Im Teehaus wartete Ufuk dort sitzend auf mich. Er begruesste mich wie einen alten Freund mit Wange an Wange druecken links und rechts – langsam wunderte mich gar nichts mehr. Er entschuldigte sich dafuer, dass er mich nicht beherbergen kann, seine Wohnung sei leider mit 2 Gaesten voll. Er bringt mich bei zwei Freunden unter - also kein Problem.

05.07.10 – 06.07.10 in Varvaran



In Anbetracht dass wir heute schon den 12.07. haben und ich fast eine Woche im Block aufzuholen habe, werde ich mal wieder versuchen mich ein wenig kuerzer zu fassen. Die letzten Bilder sind alle samt mit Stefans Kamera bzw. auch von ihn geschossen, meine steht mir ja nicht mehr zur Verfuegung – wie ihr wisst.
Am Montag haben Stefan, sein Hund Schecky (weiss nicht ob sein Name s geschrieben wird) und meine Wenigkeit eine kleine Wanderung in der Umgebung unternommen. Zuvor hatte ich mich bei Schopper erkundigt, ob es denn ein Weg gibt und wie wir den finden. Kurz nach 9 d.h. nach dem vereinbarten Treffzeitpunkt gingen wir los. Wie schon erwaehnt, kannten wir die Richtung die wir einschlagen mussten und hatten ein paar weitere Angaben ueber den Weg. Als wir etwa nach einer dreiviertel Stunde in bewaldetes Gebiet kamen, waren an einigen Baeumen Wegmarkierungen zu entdecken, die offensichtlich einem Wanderweg zuzuordnen waren. Ansonsten fand ich den Weg entgegen Stefans Meinung nicht gerade besonders attraktiv (so weit das ein Weg sein kann). Fuer meinen Geschmack wurde die Strecke scheinbar mehr von Autos bzw. Transportfahrzeugen als von Fussgaengern benutzt. Was anhand der Spuren deutlich zu sehen war, die mancherorts tief und verschlammt waren. Auch nervte das hohe Gras und so wieso die Fliegen. Ihr merkt schon, ich war ein wenig noergelig. Mit der Markierung war es dementsprechend: Manchmal war sie finden und dann wieder lange Zeit nicht. Der Weg wurde schon lange nicht mehr als Trail gepflegt. Vermutlich noch ein Ueberbleibsel aus den 80ziger Jahren. Als noch alles beim Alten war.
Als sich irgendwann der Weg voellig verabschiedet hat, wir zu einer Strasse kamen. Zu der wir nach einen vergeblichen Versuch den Trail zu folgen wieder zurueck kehrten, beschlossen wir gegen 14:30 die Strasse zu folgen, die uns nach Tserevo fuehrte. Dort trennten wir uns nach einem Bier: Stefan ging in den Ort und ich zurueck nach Varvaran. Wohin mich nach kurzer Zeit ein Paarchen beim Trampen mitnahm. Fuer den Abend hatten Stefan und ich uns wieder an der Bude verabredet. Doch zunaechst habe ich mich in meinem Domizil zurueck gezogen – das war schoen!
Als wir uns am Abend an der Bude wiedertrafen und ein Bier zu uns nahmen, gesellte sich ein Paarchen zu uns an dem Tisch: Sie war offensichtlich eine Zigeunerin, er Schweizer. Beide waren schon laenger verheiratet und lebten im Ort. Gemeinsam verbrachten den Abend. Spaeter dann noch in dem nahe gelegenen Haus der Beiden. Dieser Abend bestaetigte mein Eindruck von dem Ort und relativierte damit mein Bild von Bulgarien...Denn Rest lass ich mal offen.
Meinen letzten Tag in Varvaran verbrachte ich ueberwiegend in mein Zimmer – was absolut in Ordnung war. Fuer Mittwoch stand die Tuerkei auf dem Zettel.

04.07.10 nach Varvaran



In der Nacht habe ich mir mehrmals das Knie an Stefan Bett gestossen. Das im ausgeklappten Zustand ueber meine Couch ragt und dementsprechend den Bewegungsradius nach oben einschraenkt.
Nach dem Fruehstueck sassen Stefan und ich noch lange zusammen und fuehrten ein angeregtes Gespraech. Als ich dann gegen halb 2 so langsam aufbrechen wollte, merkte ich, dass mich Stefan lieber weiter als Gesellschaft haben moechte.
Mit meinen Gepaeck bevorzugte ich als Wegstrecke nach Varvaran die kurze Variante der Strasse. In der Pension von Schopper bekam ich ein schoenes Zimmer. Nach dem Einkauf von einigen Lebensmitteln ass ich zunaechst und genoss es mich in dem grossen Bett gemuetlich zu machen. Dabei schaute ich ein wenig deutsches Sonntagnachmittagsprogramm im Fernseher: Hier liess es sich aushalten – dachte ich. Am Abend bin dann noch gemeinsam mit Schopper in einem gutem Restaurant des Ortes Essen gegangen. Unterwegs stellte ich fest, dass in dem kleinen 300 Seelen Ort einige Langhaarige wohnen. Das Nest war mir sympatisch. Nach dem Essen – was wirklich gut war und nur wenig gekostet hat – gingen wir zurueck zu Schoppers Huette. Ich wusste, dass nur wenig Touristen im Ort waren. Aber der Ort praesentierte sich voller Leben: Die Einwohner des Ortes eben es scheinbar sich zu praesentieren. Sie schotten sich nicht ab, wie wir Deutsche. In solchen Orten von der Groesse Varvarans oder auch noch viel groesseren Orten, wuerden wir in Deutschland niemals so viele Menschen Abends auf den Strassen bzw. in der Oeffentlichkeit sehen. Witzig fande ich, dass die Einwohner es scheinbar lieben draussen im Vorgarten oder vor dem Haus auf der Strasse Fernsehen zu schauen.
Spaeter am Abend traf ich dann noch Stefan auf ein Bier an der Bude. Danach verabschiedeten wir uns mit einer Verabredung fuer den folgenden Tag. Wir beschlossen morgen eine kleine Wanderung zum nahe gelegenen Huegel zu unternehmen.

Sonntag, 11. Juli 2010

03.07.10 in Tserevo




Die Nacht in dem Camper war nicht so berauschend. Waehre ich nicht so muede gewesen haette ich vermutlich gar nicht geschlafen. Nach dem Fruehstueck kam das naechste Problem des Camperlebens auf mich zu: Ich musste ganz dringend auf Toilette. Zunaechst versuchte ich es so lange hinaus zuzoegern bis wir in den nahen Ort Varvaran gegangen sind, wie wir am Vortag schon beschlossen hatten. Doch irgendwann war das Beduerfnis mich zu erleichtern einfach zu gross. Also musste ich Wohl oder Uebel den vorhandenen Lokus benutzen. Das Ding war so gross wie ein Toepfchen fuer Kinder. Als ich mir nach der Tat die Bescherung anschaute, fragte ich mich wie ich den “Schaden“ wieder in Ordnung bringen koenne. Mein Geschaeft war ein Ordentliches. Und wie ich den Haufen durch das kleine Loch bringen sollte, war mir zunaechst schleierhaft. - Und – nach einigen Pumpen hier - und Pumpen da – war es – ich kurz vor der Verzweiflung – geschafft! Danach fragte ich mich, ob ich mir dass noch laenger antun moechte. Denn Duschen konnte ich hier auch mehr schlecht als recht. Stefan war zwar mit so'ne Art Campingdusche ausgestattet. Doch als ich das Ding sah, hatte ich auch schon keine Lust mehr es auszuprobieren.
Um 17 Uhr (bulgarische Zeit) war das Spiel gegen Argentinien: das wollte ich auf jeden Fall sehen. Aber da ich auch gerne ein wenig im Internet meine Geschaefte erledigen wollte und Stefan meinte an einer Bude Online gehen zu koennen, brachen wir schon gegen 13 Uhr auf nach Varvaran. Laut Stefan ist der Ort nur ein Katzensprung entfernt. Doch da wir den schoenren Weg laengs des Wassers waehlten, trafen wir 45 Minuten spaeter ein.
Denn Nachmittag verbrachten wir an der Bude: was wirklich nett war. Schon nach kurzer Zeit kamen wir mit einem Typen ins Gespraech der mit einem Kumpanen den ersten Schnaps getrunken hatte. Der Typ namens Schopper, sprach ein recht ordentliches Deutsch und es dauerte nicht lange, dass auch wir das erste Bier auf dem Tisch stehen hatten. Es stellte sich heraus, dass Schopper eine Pension im Ort hat. Die mit einem Uebernachtungspreis von 10 Euro, Dusche und WiFi fuer mich sehr verlockend klang. Nach kurzer Ueberlegung teilte ich ihn mit, dass ich ab morgen bei ihn schlafen werde. Ich wollte Stefan nicht beleidigen: Es war sehr nett von ihn mich aufzunehmen, doch ich wusste, auf Dauer war das wilde Campen nichts fuer mich. Auf einem Campingplatz mit Dusche und ordentlicher Toilette waere ja o.k. gewesen. Auch musste ich mich ein wenig schonen. Schliesslich habe ich noch eine etwas laengere Reise vor mir. Und warum soll ich mir das Leben unnoetig schwer machen. Als Stefan meinen Plan mitteilte, wirkte er schon ein wenig betroffen. Na ja, was soll man machen – die Nacht werde noch bei ihn verbringen.
Als das Spiel begann und Deutschland schon nach kurzer Zeit das 1:0 schoss, jubelten alle: Varvaran wurde mir mehr und mehr sympatisch.
Nach dem Spiel ging ich mit Stefan zurueck zum Camper und auch relativ zeitig auf die Couch.

02.07.10 von Varna nach Tservo

Am Morgen war also wieder Busfahren angesagt. Als ich gegen 9 Uhr die Wohnung von Galin verliess, war er noch nicht aufgestanden. Somit musste ich mich ohne Verabschiedung aus dem Haus schleichen – natuerlich hinterliess ich einen Abschiedszettel. Mit Sack und Pack machte ich mich auf dem Weg zum Busbahnhof. Und Sack und Pack war es im wahrsten Sinne des Wortes: Neben meinen geliebten Rucksack hatte ich eine Tuete mit Lebensmittel sowie meine neuste Errungenschaft das Notbook zu tragen.
Der Busbahnhof von Varna beinhalte unter anderen eine Halle mit Geschaeften, Fahrkartenschalter und natuerlich Warteraum. Im Grossen und Ganzen nichts Welt bewegendes und doch gab es dort etwas ganz besonderes: Unter dem Dach nisteten eine ganze Menge Voegel, die wohl gerade ihre frische Brut zu versorgen hatten. Dadurch waren die Voegel Eltern ganz schoen gefordert und flogen staendig hin und her, um Futtern fuer die Jungtiere heranzuschaffen. Aus dem stetigen Geflatter, was erhebliches Leben in die Bude brachte, fabrizierte die Vogelschar einen unglaublichen Sound in der Halle – ich fand dass toll!
Um nach Tservo zu gelangen, was ein kleines Nest am Schwarzen Meer ist, musste ich in Bursa umsteigen. In Tservo werde ich meinen naechsten Couchsurfer treffen: Stefan, einen Deutschen sich dort mit seinem Wohnmobil aufhaelt. Da Stefan kein Telefon hat was zudem die Kommunikation erschwerte, haben wir uns um 18 Uhr an einem Schiffsfrack verabredet, welches als Denkmal in der Stadt stehen soll.
Als ich gegen 13:15 in Burgas mal wieder bei heissen Sonnenschein eintraf, musste ich nur kurz auf den Anschlussbus warten. So sass ich mit meinem Zeug wartend auf einer Art Tribune und machte wie gewoehnlich ein paar Fotos. Da kam ein Typ auf mich zu der wohl zu den unergruendlichen Buspersonal zu zaehlen war und deutete auf ein Kleinbus. Gut, dachte ich, ist zwar nicht der angegebene Abfahrsteig - aber egal. Also das Zeug gepackt - ich dorthin. Da waren aber schon eine ganze Menge Leute samt Gepaeck. Die sollen alle in dem Kleinbus, dachte ich. Mit diesen Gedanken stand vor dem Bus und beobachtete wie der Bus immer voller wurde. Und, wie ich schon befuerchtete, war fuer mich kein Platz. Ein anderer, sehr gestresst wirkender Typ, machte mir daraufhin deutlich, dass in halben Stunde ein weiterer Bus, dieses Mal von dem angegebenen „Busabfahrpunkt“ fahren wird. Also ich wieder zurueck mit dem Gelumpe.- Bei all dem machte ich fleissig Fotos. - Da sass ich wieder wo ich schon zuvor sass. Eine halbe Stunde spaeter bewegte sich ein zuvor geparkter Bus auf die Wartenden zu und hielt. Am Steuer machte ich den Stressman aus. Das ist er wohl - Ich schulterte den Rucksack, nahm die Plastiktuete mit den Fressalien, das Notbook; ging zum Bus und nahm Platz. Nichts, wirklich gar nichts, machte mich stutzig; ich war sicherlich im Arsch; hatte in der letzten Zeit nicht viel geschlafen; zudem kam die Hitze; all dies mag fuer meine Unkonzentriertheit verantwortlich gewesen sein. Denn, als ich nach 2-stuendiger Fahrt aus dem Bus stieg stellte ich fest, dass mein Fotoapparat nirgends zu finden war. Ich konnte es gar nicht glauben! Doch – nach reichlicher Ueberlegung und Rekonstruktion der Vorfaelle. Kaum nur die Moeglichkeit in Betracht, dass ich die Kamera auf der Tribune vergessen haben muss. Als ich dort sass, hatte ich sie wohl unreflektiert neben mir auf die Bank gelegt. Beim Aufbruch habe ich nur die groesseren Gepaeckstuecke und den Bus vor mir gesehen. Das kleine Ding ist wohl mit der Bank verschmolzen …
Beim Gang in die Stadt musste ich diesen Verlust erst einmal verschmerzen: Dass war hart! Gott sei Dank hatte in Varna zuletzt die Aufnahmen auf meinen USB-Stick gesichert. Somit zumindest der Verlust der Fotos einigermassen zu verkraften.
In der Stadt sah ich eine Touristeninfo und ging hinein. Das Maedel dort sah mich mit grossen Augen an. Ich stellte zunaechst meine obligatorische Frage: Do you speak English oder Deutsch? „A little“, war mal wieder die Antwort. Also fragte ich nach dem Schiffsfrack, dass als Monument bestimmt bekannt ist. Doch das Maedel verstand nichts. Monument war fuer sie ein Fremdwort womit sie nichts anfangen konnte. O.k. - was soll's – Ich werde es auch so finden. Und was soll ich sagen: ein paar Schritte spaeter stand ich auf einmal vor dem Schiffsfrack. Gut, dass waere also erledigt. Mittlerweile war es halb 4. Bald wuerde das Viertelfinale Brasilien gegen Holland beginnen. Da traf es sich gut unmittelbar hinter dem Monument eine Gaststaette zu entdecken, die mit einem Fernseher auf der Terrasse ausgestattet war. Dort wartete ich bis kurz vor 18 Uhr. Dann ging ich einmal um das Denkmal herum, wo nach wenigen Minuten Stefan mit seinen Hund auf mich zu kam. Nach der Begruessung gingen wir gemeinsam zurueck in die Kneipe und ich konnte mir das Spiel bis zum Ende anschauen.
Stefan befindet sich seit gut einer Woche in Bulgarien. Da er schon seit 3,5 Jahren durch Europa reist ist inzwischen sein Reisepass fast abgelaufen. Nun moechte er weiter nach Syrien, Iran und so weiter. Dafuer benoetigt er einen neuen Pass, den er in der Botschaft in Sofia beantragen muss. Zu Stefans Unglueck verlangt die Botschaft von ihm eine Geburtsurkunde, weil er in Deutschland keinen Wohnsitz vorweisen kann. Deswegen muss zunaechst seine Mutter die Geburtsurkunde zur Botschaft schicken und erst dann kann er den Pass beantragen. Insgesamt wird das locker 7 Wochen dauern. Also damit steht fest, Stefan hat noch einige Zeit zu warten.
Nach dem Fussballspiel machten wir uns auf dem Weg zu seinen Camper. Als wir aufbrachen meinte Stefan, dass es etwa ein Fussmarsch von einer Stunde brauch, um dort anzukommen. - Wir waren ca. 1,5 Stunden unterwegs. Dabei stellte ich mal wieder fest, dass mich ein laengerer Walk mit Ausruestung ganz schoen fordert. Fuer zukuenftige Trekkingaktionen muss ich mir wohl noch war einfallen lassen.
Fuer den weiteren Abend vor dem Camper haben wir uns ein wenig Plauderwasser aus der Stadt mitgenommen, das gegen Mitternacht auch aufgebracht war. Woraufhin wir uns auch bald schlafen legten.

Dienstag, 6. Juli 2010

01.07.10 in Varna


Der Donnerstag war fuer mich der einige komplette Tag in Varna. Somit auch der einzige Tag an dem ich mir die Stadt ein wenig anschauen konnte. Doch bevor ungezwungen durch die Gegend streifen konnte, wollte ich mir den Weg zum Busbahnhof genau einpraegen. Noch hatte ich einen Stadtplan von Galin, Morgen werde ich ohne eine solche Hilfe auskommen muessen. Etwa nach einer halben Stunde hatte ich den Busbahnhof gefunden. Dort eingetroffen habe ich mich natuerlich nach der nach Burgas erkundigt. In Burgas muss ich – Gott sei Dank – vom selben Busbahnhof (dort gibt es mal wieder 2 Busbahnhoefe) eine Verbindung nach Tsarevo finden: Darueber wusste ich schon dank Galin bescheid.
O.k. als dass alles geklaert war zog es mich magisch zu der nahe gelegenen Shopping-Mail. Ich wollte mir nur mal die Netbooks anschauen. Kaum war ich im richtigen Geschaeft stand ich auch schon vor den Geraeten und hatte mich auch quasi fuer ein so'nen Ding entschieden. Nachdem alle Einzelheiten mit dem Verkaeufer geklaert waren, ging ich mit einer “schweren“ Plastiktuete in der Hand vor mich hin wetternd den Weg zurueck. Immer wieder sagte ich zu mir selbst: Wie kann man nur so bloed sein. Jetzt habe ich noch mehr zu schleppen. Da ich mir eine passende Tasche fuer das Geraet in der Shopping-Mail nicht begegnete, kaufte ich diese noch in einem Computerfachhandel. In Galins Wohnung stellte ich dann fest, dass mir der Verkaeufer mist erzaehlt hat. Die installierte Office-Version war mal wieder eine dieser 3 Monats-Trial-Geschichten. Erbost packte ich die Kiste wieder ein und ging zum Geschaeft zurueck. Dort angekommen hat inzwischen das Personal gewechselt. Der neue Mitarbeiter meinte anstatt Office von Mircrosoft besser Open-Office zu verwenden. Als der Kollege dann noch fuer mich alles notwendige erledigte, war vom Kauf des Geraets entgueltig ueberzeugt.
Nach der ganzen Aktion unternahm ich dann noch einen Ausfuehrlichen Stadtrundgang. Dabei viel mir auf, dass Varna wirklich eine schoene Stadt ist. Entgegen den Staedten in Rumaenien waren die Haeuser sowie Gebaeude nicht ganz so heruntergekommen. Insbesondere der grosse Stadtpark, der sich parallel zum Kuestenstreifen ueber 5-6 km ausdehnte, ist ein absolutes Plus und hebt immens die Lebensqualitaet der Stadt. Eigenartig in Bulgarien ist das Verhaeltnis zum Auto: Die engen Nebenstrassen sind fuer parkende Autos einfach nicht geschaffen. Wuerden Autos dort wie in Deutschland am Strassenrand parken, wuerde spaetestens wenn ein LKW in die Strasse einbiegt dort der Verkehr zusammen brechen. Wohl weislich parken die Autos deswegen auf den Fussgaengerwegen. Die Fussgaenger hingegen muessen, weil ihre Wege immer mit parkenden Autos zugestellt sind auf die Strasse ausweichen. Deswegen laufen die Fussgaenger immer auf den Strassen; und wenn ein Auto kommt gehen sie zur Seite, machen Platz fuer den Verkehr. Auch sind die Fussgaengerwege haeufig mit Baeumen bepflanzt. Die Baeume sind natuerlich im Laufe der Jahre maechtig gewachsen. Aber Baeume wachsen nicht nur in die Hoehe, sondern auch in die Breite. Bei diesem Prozess verdraengen die Wurzeln alles und sprengen auch notfalls Beton. In Bulgarien sieht man sehr haeufig, dass die mittlerweile grossen Baeume den Asphalt oder die Gehwegplatten nach oben gedrueckt haben, weil man sich all die Jahre nicht darum gekuemmert hat. In Bulgarien spielt sich das Leben der Menschen haeufig draussen ab. Alte Leute sitzen auf den Baenken der Kinderspielplaetze. Oeffentliche Sportstaetten werden tatsaechlich benutzt. Oft sah ich auch aeltere Menschen z.B. Volleyball oder Fussball spielen.
Als ich am Abend nach der meiner Stadtbesichtigung wieder bei Galin eintraf, war dieser auch zuhause. An diesem Abend war er nicht ganz so kurz angebunden und wir unterhielten uns ueber alles moegliche. Als er mich dann fragte, ob ich einen bulgarischen Schnaps trinken moechte, konnte ich natuerlich nicht nein sagen. Jetzt nimmt selbstverstaendlich jeder sowie ich an, Galin holt jetzt die Pulle und zwei Glaeser raus und dann wird getrunken. Nein – Galin fing erst einmal an sich in der Kueche zu betaetigen. Er fabrizierte 2 ordentliche Salate, stellte Brot und Teller sowie den Schnaps auf dem Tisch. Wenn man in Bulgarien Schnaps trinkt, isst man dazu immer einen Salat. Und die Schnapsglaeser sind groessere Glaeser, die recht gut eingeschenkt werden. So haben wir den Abend gemuetlich plaudernd miteinander verbracht.

Montag, 5. Juli 2010

30.06.10 von Balchik nach Varna



Den heutigen Tag bin ich recht gemuetlich angegangen. Denn ich hatte genuegend Zeit fuer die Fahrt nach Varna. Nach dem Fruehstueck fragte mich noch die Tochter des Hauses, ob ich die heutige Nacht auch im Hotel verbringen werde. Die Antwort ist mir leicht ueber die Lippen gegangen.
Als alles erledigt war, wollte ich zunaechst ausprobieren, ob der Bus nach Varna vielleicht an der Bushaltestelle unten an der Hauptstrasse haelt. Damit koennte ich mir eventuell den Weg zum Busbahnhof sparen. Dem war nicht so: Zwar hielt ein Bus (lustigerweise war es der Fahrer vom Vortag, der nach Kaliakra fuhr) doch der fuhr nach Aldena. Der kommende Bus nach Varna fuhr einfach weiter. Also zu Fuss zum Busbahnhof – gutes Training, sagte ich zu mir.
Dieses Mal fuhr der Bus recht puenktlich. Wobei die Fahrkarte nach Varna mit 5 Leva um 2 Leva guenstiger war als die Fahrt zum Kap. Obwohl die Strecke mehr als die doppelte Entfernung ausmachte. Was ein weiteres Indiz dafuer war, dass die Kap-Fahrt ausschliesslich aus touristischen Gruenden eingerichtet war.
In Varna liess mich der Fahrer 30.06.10 von Balchik nach Varna
Den heutigen Tag bin ich recht gemuetlich angegangen. Denn ich hatte genuegend Zeit fuer die Fahrt nach Varna. Nach dem Fruehstueck fragte mich noch die Tochter des Hauses, ob ich die heutige Nacht auch im Hotel verbringen werde. Die Antwort ist mir leicht ueber die Lippen gegangen.
Als dass alles erledigt war, wollte ich zunaechst ausprobieren, ob der Bus nach Varna vielleicht an der Bushaltestelle unten an der Hauptstrasse stoppt. Womit ich mir den Weg zum zentralen Busbahnhof der Stadt sparen koennte. Dem war nicht so: Zwar hielt ein Bus (lustigerweise war es der Fahrer vom Vortag, der mich nach Kaliakra fuhr) doch dessen Ziel war Aldena. Der naechste Bus der anrauschte war zwar der nach Varna, doch der rauschte auch gleich vorbei. Also zu Fuss zum Busbahnhof – gutes Training, sagte ich zu mir.
Dieses Mal fuhr der Bus recht puenktlich. Wobei die Fahrkarte nach Varna mit 5 Leva um 2 Leva guenstiger war als die Fahrt zum Kap. Obwohl sie mehr als doppelt so weit war.
Als wir in Varna ankamen, liess mich der Fahrer direkt an einer Bushaltestelle raus. Von der ich eine direkte Busverbindung in die Innenstadt hatte, wie mir eine Mitfahrerin deutlich machte.
Aber zunaechst rief ich mein Couchsurfer-Kontakt in Varna Galin an. Nach einigen Saetzen ueber einen moeglichen Treffpunkt – er sprach recht passabel deutsch – machte ich ihn deutlich, dass wir Schritt fuer Schritt vorgehen muessen. Fuer zu viel Informationsaufnahme war mein Kopf nicht zu bewegen, dass spuerte ich sofort. Also fuhr ich zunaechst mit dem Bus ins Zentrum, zu der Kathedrale von Varne. Diese Aktion hat mir schon wieder einige Nerven gekostet, weil ich im Bus versuchte habe jemanden zu finden der englisch sprach, um mir beim richtigen Ausstieg behilflich zu sein. Nach 4 Versuchen gab ich es auf, da sich auch kein anderer der Fahrgaeste bereit erklaerte sich meiner offensichtlichen Hilflosigkeit anzunehmen. Ein Jugendlicher, der an meiner Person zumindest Interesse signalisierte, machte mich bei einer Haltestelle auf die aus dem Bus zu sehende Kathedrale aufmerksam. Somit der ganz Aufwand doch zum gewuenschten Resultat gefuehrt. Dort ausgestiegen rief ich Galin wieder an: Nach einigen Versuchen mich in einen anderen Bus zu verfrachten (Galin wusste nicht in welche Richtung ich fahren musste), gab er endlich auf und hatte ein Einsehen, dass es wohl am besten sei mich abzuholen. Die 20 Minuten Wartezeit nutzte ich, um mich in der Kathedrale umzusehen.
Orthodoxe Christen neigen dazu ihren Glauben durch viele Heiligen Bilder sowie mit geradezu Barocken Mitteln auszudruecken. So war auch diese Kirche mit vielen Bildern ausgestattet. Auch sind immer einige der Bilder extra zum Kuessen plaziert. Waehrend ich mit dem Pfarrer ueber diese Angelegenheiten sprach, erhielt ich hoerbar eine SMS von Galin: Er sei da – teilte er mir mit.
Nach der Begruessung machten wir uns gleich auf dem Weg zu seiner Wohnung. Galin wohnte recht zentral in einer 2 Zimmer Eigentumswoh­nung. Die er vor einigen Jahren fuer 13 Tausend Euro gekauft hatte (was ich spaeter erfuhrt). Nach seinen Aussagen sei die Wohnung mittlerweile das vierfache wert.

Galin war ein etwas eigenartiger Typ, aber mit seiner Art bestaetigte er meinen derzeitigen Eindruck von Bulgarien. Er war zwar freundlicher und hilfsbereiter als die Bulgaren die mir bis zu dem Zeitpunkt begegneten; auch wollte er kein Geld von mir. Doch war er, wie seine Landsleute, wesentlich reservierter als Rumaenen. Mir wurde waehrend meines Aufenthalts in Rumaenien so viel Freundlichkeit entgegen gebracht, dass ich mich schon ein wenig daran gewoehnt hatte. Die Bulgaren scheinen da anders zu sein: Viel knurriger, oft schlecht gelaunt, auch zeigen sie wenig Interesse an Menschen aus dem Ausland. Bulgaren sind scheinbar mehr mit ihren eigenen Dingen beschaeftigt und lassen sich wohl nicht so leicht von anderen Dingen davon ablenken.
Galin bestaetigte meiner Meinung nach die These, da er in seiner ganzen Art relativ kurz angebunden wirkte. Waehrend meiner Anwesenheit telefonierte er andauernd: entweder rief er an oder er wurde angerufen.
Er muesse viele Freunde treffen, sagte er. Fuer den Abend hat er sich mit einigen Freunden verabredet. Spaeter solle es dann zum Strand gehen. Denn heute sei ein besonderer Tag: Der Tag an dem der Sommer begruesst wird. Manfred wird sich darueber freuen, denn er hatte mich schon vor einiger Zeit in einer Mail darueber informiert, dass die Hippies in einem bulgarischen Ort am Morgen des 01.07. die Sonne am Strand begruessen. Das Ereignis fand also heute bzw. morgen frueh in Varna am Strand statt. In dem Text von Manfred klang aber schon an, dass sich die urspruengliche Hippiebewegung zu einer Art Volksfest etablierte. Was durch Galin bestaetigt wurde: Denn Galin war nun wirklich kein Hippie. Oder ein Hippie der deutsche Schlagermusik bevorzugt. Bei Galin musste ich staendig komische deutsche Schlagermusik ertragen. Auch berichtete er mir begeistert, dass demnaechst „Boney M“ in Varna spielt, die er nicht verpassen will. Gut dass ich diesbezueglich inzwischen sehr tolerant geworden bin.
Seine Freunde, die ich dann am Abend kennen lernte, gehoerten auch nicht gerade zur Hippiebewegung. Fast alle koennten sich allerdings einer Abnehm-Initiative anschliessen. Sowieso gehoeren insbesondere die Kerle des Landes nicht gerade zu den Leichtgewichten dieser Welt.
Von Galins Freunden sprachen 2 Deutsch. Woraus sich aber kein munteres Gespraech entwickelte. Insgesamt, und damit moechte ich die Geschichte jetzt abkuerzen, war der Abend langweilig. Ich war froh, dass Galin mir freundlicherweise einen Schluessel seiner Wohnung gegeben hat und ich gegen 1 Uhr den Abend beschliessen konnte. Ein richtige Volksfest Stimmung kam auch nicht auf, weil die Hippies ausblieben und die Bulgaren am naechsten Tag arbeiten mussten. Auch war das Wetter den ganzen Tag ueber alles andere als toll: Immer wieder kam es zu sintflutartigen Regenfaellen, sodass der Sand am Strand unangenehm nass war.