the blue moon

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Mittwoch, 22. Dezember 2010

Von Boghgaya nach Darjeelling


Nun hatte ich meine Weiterfahrt recht gut geplant – dachte ich. Doch wie es immer so ist, meistens kommt es anders als man denkt!
Als erstes stand die Busfahrt nach Patna auf dem Programm, die laut Plan lediglich 6 bis 7 Stunden dauern sollte. Es wurden die bisher schlimmsten 9 Stunden der Reise: Ich hatte ja schon von der Gewohnheit der Inder berichtet ständig zu hupen. Der Busfahrer schoss diesbezüglich den Vogel ab. Quasi ununterbrochen hat der sein Horn geblasen. Es war so laut, als ob er eines der Pressluft betriebenen Teile, die manche Idioten mit zu Fußballspielen ins Stadion schleppen benutzen würde. Nicht auszuhalten aber ich konnte ja nicht weg. Den Fahrstil möchte ich gar nicht kommentieren: Wobei ich während meines Daseins einige insbesondere Frauen kennenlernte, die diese Fahrt aus nervlichen Gründen wahrscheinlich nicht überlebt hätten.
In Patna angekommen hievte der Busfahrer meinen Rucksack aus dem Gepäckfach des Busses: Der sah aus wie Sau. Nach dieser Fahrt über Stock und Stein sowie nach unglaublichen Überholmanövern, hatte mein Rucksack jeglichen Dreck der sich dort befand aufgenommen. Allerdings war ich so abgestumpft durch die Fahrt, dass ich nur noch ins – Gott sei Dank – schon gebuchte Hotel wollte. Immer wenn man irgendwo in Indien (wie ich feststellte, scheint dass in ganz Asien der Fall zu sein) ankommt – egal wann – warten schon die Weitertransporteure auf dich. Also, das nächste Fahrrad - Rikscha den Sack aufs Rad geschmissen (natürlich nachdem der Preis ausgehandelt war) und los ging es zum Hotel.
Kaum im Hotel registrierte ich eine Nachricht von Kingfisher Airline auf meinem Telefon. Die Mitteilung besagte nichts weniger als dass mein Anschlussflug von Kalkutta nach Bagdora ersatzlos gestrichen wurde. Ich solle meine Mails checken sowie mit der Airline Kontakt aufnehmen. Na toll, dachte ich. Da blieb mir nichts anderes übrig als ins nächste Internetcafé zu gehen. Nach einigen hin und her (Email lesen und Telefonaten) war klar, dass ich wohl eine nicht eingeplante Übernachtung in Kalkutta in Kauf nehmen muss. Nach dieser Erkenntnis recherchierte ich nach einem Hotel in Nähe des Flughafens, wo ich schließlich nach einem Telefonat per Internet ein Zimmer buchte. Komischerweise ist es manchmal billiger Zimmer online zu buchen als persönlich. Und wo ich schon mal so gut in Form war, buchte ich auch gleich ein Zimmer in Darjeeling: Dieses Mal per Telefon nachdem ich die Nummer online eruierte.
Am folgenden Tag flog ich nach Kalkutta, wo ich mich außer im Hotel nicht herumtrieb. Von den indischen Städten insbesondere Großstädten hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Außerdem wurde es schon dunkel als ich im Hotel eincheckte. Es macht mir auch nichts aus meine Zeit lesend allein im Zimmer zu verbringen.
Mein Anschlussflug am nächsten Tag ging gegen 14 Uhr, wodurch ich den Morgen gemächlich angehen konnte. Als ich schließlich am Schalter von Kingfisher meine neue Bordkarte entgegennehmen wollte, schaute man mich mit großen Augen an. Ich sei gar nicht auf der Passagierliste verkündete man mir. Da wurde ich aber langsam böse und auch ein wenig ungehalten: Zunächst strich man mein wunderbar passenden Anschlussflug, dann musste ich auch noch eine Nacht in Kalkutta verbringen und selbst dafür aufkommen und jetzt wollen sie noch Mätzchen wegen den Flug veranstalten, nachdem ich mit mehren Leuten telefonisch darüber gesprochen habe. Als sich die Dritte oder Vierte Person (ich weiß es momentan nicht mehr wie viele es waren) den Problem angenommen haben, bekam ich schließlich mein Ticket.
Wenigstens erreichte ich Bagdora und anschließend New Jalpaiguri bei Tageslicht. Dort checkte ich in einem Guesthouse aus dem Reiseführer ein und machte mich gleich auf den Weg zum Bahnhof, der nicht weit entfernt lag. Leider teilte man mir mit, dass der „Toy-Train“ nach Darjeeling bis auf weiteres nicht fährt. Darauf hatte ich mich so gefreut: Ein Überbleibsel aus der englischen Kolonialzeit, damit wohl einer der ältesten betriebenen Züge überhaupt. Na ja, was soll's, dachte ich und erkundigte mich nach der alternativen Jeepverbindung vor dem Bahnhof. Dabei erfuhr ich, dass es wohl am besten ist, sich recht frühzeitig am Bahnhof einzufinden. Ein Jeep fuhr sobald alle Plätze belegt sind. Somit war ich kurz vor 7 am folgenden Morgen am Start und erwischte einen schon mit einigen Personen besetzten Jeep. Es dauerte nur noch eine Stunde bis die übrigen Plätze vergeben waren und sich die Reisegesellschaft in Bewegung setzte. Zuvor gab es noch eine Unstimmigkeit bezüglich des vorab zu entrichtenden Fahrgeldes. Im Reiseführer wurde davor gewarnt vor der Fahrt den Preis zu entrichten: Es sei schon öfters vorgekommen, dass die Fahrt nur bis zum nächsten Ort dauerte und dann die Gäste gebeten wurden sich ein anderes Fortbewegungsmittel zu suchen. Aber sollte ich machen? Bezahlen oder wieder aussteigen. Wo mir nur Möglichkeit blieb den Herrschaften zu vertrauen – was in meinem Fall die richtige Entscheidung war. Die anschließende 7 Stündige Fahrt bis auf gut 2000 Meter Höhe, verlief sehr kurvenreich und mit den üblichen indischen Unwegsamkeiten sowie einer Reifenpanne normal.