the blue moon

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Donnerstag, 20. Mai 2010

19.05.10 Budapest


Wie schon am Tag zuvor Fruehstueckte ich und Mihaly nicht. Fuer heute hatte ich mir das Bad fest vorgenommen. Freudig erregt, kam Mihaly auf mich zu und sagte, heute ist ein Blueskonzert, welches er gerne besuchen moechte. "Hört sich gut an", sagte ich, "komme ich mit". Jetzt schon mit 2 Vorhaben wollte ich mich gerade aufmachen meinen Tag zu beginnen, da schreckte Mihay vom Computer hoch und sagte: Er könne nicht zum Konzert, das kostet 2000 Forint. O.k., dachte ich, und sagte, "dann lade ich dich ein". Ich hatte noch nicht erwaehnt, dass Mihaly - angeblich - mit umgerechnet 190 Euro monatlich auskommen muss. Als dass geklaert war, und er mir noch mitteilte, dass er am Nachmittag eine Filmvorführung (umsonst - sinngemaess: das müsse er ausnutzen) besuchen möchte. Meinte ich schon auf dem Weg nach unten, gut dann treffen wir halt wieder. Jetzt gehe ich erst einmal ins Schwimmbad: Waschen und Rasieren, ich könne das nicht mit kaltem Wasser. Da schaute er mich unglaeubig an, und fragte mich sinngemaess, wann ich den das Zimmer raeme und saeubere. Uff, was ist dass für eine neue Erkenntnis. Daraufhin meinte ich, schnell wieder gezwischt, er haette doch gesagt, dass ich bis Donnerstag bleiben kann? "Eventuell, hatte ich gesagt". Mein Besuch kommt heute Nacht um 2:30 mit dem Zug. Die sind zu dritt, und anders als Couchsurfer, persönliche Bekannte. Das ist ja wieder ganz neue Entwicklung dachte ich. Irgendwie komisch: Haben die ihr Ticket erst heute gekauft, oder was? Der Typ ist zwar Halbjude aber irgendwie nicht koscher (oder wie das geschrieben wird).
Die folgenden Aktionen kürze ich jetzt ab: Er beorgte mir, wie am Nachmittag definitiv feststand, eine ander Cochsurfing Gelegenheit in der Stadt. Bei Gabor, der in einer ein Zimmer Wohnung im Zentrum lebt. Na ja, was soll man dazu sagen. Natürlich dachte ich darüber nach, von meiner Einladung aufgrund der Aktion rückgaengig zu machen. Aber, dachte ich, drauf geschissen. Ich ging also Baden: Was übrigens in einem abgerockten Gebaeude stattfand und mich ein 10er kostete, der sich aber wirklich gelohnt hat. Anschliessend ging zurück, holte meine Sachen von Mihaly und fuhr in die Stadt zu Gabor. Den ich zunaechst nicht antraf. Da ich noch ein wenig zu Essen gebrauchen konnte, ging ich in das naechste kleine Lebensmittelgeschaeft. Ich kaufte eine Flasche Wein als Mitbringsel, eine Art Brötchen sowei ein kleines Stück Kaese. Die aeltere Dame an der Kasse begann auf einem Zettel, die Summe schriftlich zu erstellen. Das Ergebnis, erkannte ich sofort, konnte einfach nicht stimmen. Jetzt reicht es aber mit der Bescheisserei der Touristen, dachte ich mir. Die ganze Zeit habe ich in dieser Briefmarken für Postkarten von 90 Cent pro Stück, den unverschaemt teuren Kaffee im Cafe, für italienische 3 Euro, das Bad, usw. Deswegen sagte ich zu der Dame, das kann nicht stimmen und zeigte auf dem Taschenrechner. Doch sie von ihrer Rechnung überzeugt, rechnete mit ihr Ergebnis noch mal vor: Wovon ich natürlich nichts verstand. Als ich ihr signalisierte, mit dem Resultat nicht einverstanden zu sein, kam noch die zweite Dame des Geschaefts dazu und rechnete mit. Schliesslich nach einigen geplaenkel, gesann sie sich eines besseren und nahm den Taschenrechner. Und siehe da, die Addition ergab: rund 250 Forint (also ca. 1 Euro) weniger. Völlig unglaeubig starrte sie immer noch von ihrer Rechnung überzeugt auf das Display. Anschliessend wollte die 2. Dame unbedingt wissen wo ich herkomme. Da ich da kein grosses Geheimnis draus mache, versuchte ich ihr auf Deutsch, Englisch und Latein, deutlich zu machen, dass ich aus Deutschland komme. Sie verstand es scheinbar nicht. Erst eine andere Kundin, die des Deutschen maechtig war, übersetzte meine wirklich fúr jeden verstaendlichen Bemühungen, sodass dies auch endlich, verbunden mit viel gelaechter, geklaert war.
Solche und aehnliche Storys passieren mir staendig. Es ist mir unmőglich alles aufzuschreiben, bzw. in diesem Block zu verőffentlichen. Obwohl es mir Spass macht, habe ich jetzt erstmal die Schnauze voll und mache es kürzer.
Nach einem Happen auf einer Bank um die Ecke, öffnete mir etwa 1 Stunde spaeter jemand die Tür zu meinem neuen Zuhause. In der kleinen1 Zimmer Wohnung tümmelten sich 4 Erwachsene und ein Kleinkind. Zuerst war es für mich nicht ersichtlicht wer Gabor ist. Doch auf meine unsicheren Blicke hin, stellte sich jeder vor und die Situation war geklaert. Ich wusste schon Mihaly, dass heute hier ein Treffen von ein paar Couchsurfern aus Stadt sowie ein paar Freundem stattfinden soll. Somit schellte nach meinem Eintreffen auch staendig die Klingel und es kammen neue Gaeste. Nach einer Stunde war ich froh mit Mihalys Verabredung zum Konzert eine gute Entschuldigung zum gehen zu haben.
Das Konzert in einer spitzenmaessigen Lokation - in einem grossen, gut zurecht gemachten Keller, ausgestattet mit einem Gewőlbe - war absolute Klasse. Es rechtfertigte auch den doppelten Preis von 4000 Forint (ein Karte für Mihaly). - Wobei jetzt muss ich doch noch ganz kurz die Situation schildern, wie wir uns wieder traffen: Er schrieb mir eine SMS - blabla. Ich schrieb ihn zurück, dass ich zum "Take 5" schon unterwegs bin. Auf dem Weg zu der Kneipe tippte mir jemand von hinten, aus dem Laufen heraus, um nicht zu sagen rennend, ein wenig ausser Atem, auf die Schulter -
Natürlich lud ich ihn noch auf ein Getraenk ein. Aber es hat sich wirklich gelohnt. Der Hauptakt, "Ripoff Raskolnikov" (ein Fall für Olaf), die Stimme wie Tom Waits, sehr gute Musiker, in einer vőllig relaxten Atmosphaere, in den Raeumlichkeiten: Einfach grossartig. Und natürlich hatte ich dass Mihaly zu verdanken. Dass war mir schon bewusst. Trotzdem ist der Typ komisch und ... ich weiss nicht.
Nach dem Konzert hetzte Mihaly über die Hauptstrasse. Obwohl er wusste, dass ich in die andere Richtung muss. Rief ich ihn noch: Tschüss, hinterher. Weg war er.
Ich ging zu Gabor. Dort zog sich der Abend noch ein wenig hin. Obwohl ich auch durch den Aufenthalt im Bad ganz schön geschlaucht war, musste ich noch bis halb 2 aushalten bis ich mein Nachtlager auf dem Boden beziehen konnte.

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