the blue moon

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Freitag, 4. Juni 2010

01.06.10 von Ştei nach Sibiu (Hermannstadt)


Rechtzeitig, d.h. 8:15 war ich an der Bushaltstelle, da ich wusste, dass der Bus um 8:30 abfaehrt. Auf keinen Fall wollte ich riskieren den Bus zu verpassen. Fuer die etwas mehr als 100 km nach Deva benoetigte der Bus fast 3 Stunden. Aber die Fahrt empfand ich als kurzweilig.
Deva ist schon eine etws groessere Stadt und der Busbahnhof dementsprechend. Unmittelbar nach der Ankunpft erkundigte ich mich nach einer Busverbindung nach Sibiu. Ein Mann, der deutsch sprach, kam auf mich zu und wollte mir sein Taxi aufdraengen. Fuer 50 Euro wollte er mich nach Sibiu bringen: "Ist nicht teuer", meinte er.
Der naechste Bus fuhr erst um 18:00. Aber ich wusste schon, dass auch eine Zugverbindung nach Sibiu existiert. Also erkundigte ich mich nach dem Bahnhof - und - der war gleich nebenan: Eine Fahrkarte gekauft, fuer den Zug der in einer halben Stunde abfuhr - genial! Genuegend Zeit um noch ein paar Kleinigkeiten zum Essen zu kaufen. Im Supermarkt, der sich ebenfalls in der Naehe befand, wurde ich mir auf einmal ueber ein grosses Missgeschick bewusst. SCHEISSE!!! - Dachte ich nur, und fluchte vor mich hin: Ich hatte meinen Hut im Bus vergessen, den ich ueber meinen Sitzplatz auf die Ablage gelegt habe. Schon dachte ich darueber nach, wie ich und wo ich ein vergleichbares Exemplar bekommen koennte. Denn: Der Hut war zugleich ein guter Regen, wie auch Sonnenschutz. So erledigte ich, mit ein klein wenig Hoffnung, moeglichst schnell meine Einkaeufe. Draussen hielt ich Ausschau nach dem Bus - wie sah der noch mal aus? Da entdeckte ich ihn: auf dem Parkplatz stehend. Schnell dorthin. Die Tuer stand offen! Drinnen sah ich den Fahrer, vermutlich beim reinigen des Buses - dass interessierte mich auch herzlichst wenig - was interessant war: Der Bus war da, die Tuer war geoeffnet, ich konnte hinein, und mein Hut lag noch brav dort wo ich ihn abgelegt hatte! Natuerlich viel mir ein Stein vom Herzen.
Erleichtert, aber auch ein wenig aufgewuehlt, ging zum Bahnhof. Die Bahnsteige waren NICHT bezeichnet. Ich scannte die Personen nach moeglichen Englischkenntnissen. Sah einen interessanten Typen mit einem Fahrrad auf der Bank sitzen, und sprach ihn an. Der antwortete mir, er wuesste auch nicht wo sich das Gleis 2 befindet.
Dann fragte er mich, wo ich den herkomme - from Germany - Na dann koennen wir auch deutsch sprechen, meinte er: Da sein Zug schon bald eintraf, und ich noch mein Gleis finden musste, hatten wir leider nur wenig Zeit, um uns zu unterhalten. Er war auch schon aelter - vermutlich aelter als ich. Sah recht ausgemergelt aus. Sein Beduerfnis sich mitzuteilen war extrem gross. Dadurch hat er mir in der Kuerze der Zeit mit erzaehlt, dass er in Warschau war, in Ukraine hat es ihn gut gefallen, aber es gab keine Unterkuenfte, weswegen er ein Zelt dabei habe. Und in Rumaenien sei es fuerchterlich mit den LKWs, die ihn einfach von der Strasse gedraengt haben. Ausserdem sei es sehr kalt und deswegen habe er jetzt die Schnauze voll. Er fahre erstmal nach Arad mit der Bahn, von da sei es nicht mehr so weit bis Ungarn, und dort wird es mit dem Fahrradfahren schon wieder viel angenehmer sein: Richard, war sein Name.
Die Bahnfahrt, mit einer erstaunlich mordernen "Bimmelbahn", dauerte etwas mehr als 3 Stunden. Unterwegs habe ich ein wenig in meinen Reisefuehrer gelesen. Insbesondere habe ich nach einem Internetcafe gesucht. Laut den Angaben des Buches, von 2008, gibt es in Sibiu 3 Cafes.
Eines von den Cafes habe ich mir herausgesucht, um es ihn der Stadt zu suchen. Natuerlch fand ich es nicht, weil es nicht mehr existiert. Aber zuvor bin ich erstmal in der Stadt angekommen: Schon die Vororte vermittelten einen ganz anderen Eindruck von Rumaenien. Die Fassaden der Haeuser waren offensichtlich erst vor kurzem gestriechen worden, alles wirkte viel ordentlicher, sauberer und gepflegter. Sibiu selbst ist eine "Perle".
Ein El Dorado fuer Location-Scouts. Wunderbar alte Gemaeuer.
In dem Fall - Gott sei Dank - nicht neu gestriechen. Denn ich finde es einfach schoner, wenn die altern Haeuser mit einem alten, schon abblaetternden Farbanstriech versehen sind. Es wirkt alles wie aus einer anderen Zeit. Wenn jetzt noch die Dreckskarren von den Strassen verschwinden wuerden, waere es perfekt.
Nach einigem Gefrage - hier sprichen viele Englisch - sass ich im Internetcafe und erledigte mein Geschaeft. Aber am wichtigsten war, dass ich eine Nachricht von Andreu, meinen naechsten Kontakt, sammt Telefonnummer in meinem Postfach fand: Das war schon mal sehr beruhigend. Andrei schrieb ich erstmal eine SMS. Insgesamt sass ich 5 Stunden in dem Laden - damit ihr mal eine Vorstellung bekommt wie viel Zeit mich dieser Mist hier kostet!
Nach einigen hin und her, letztendlich mit persoenlichen Anruf, trafen Andrei und ich mich gegen 22 Uhr. Da der personliche Austausch ein wenig schwierig war, machte ich mir ein wenig Gedanken ueber Andrie. Aber die waren schon nach kurzer Zeit verflogen. Jetzt kann ch sagen: Andreu war ein absoluter Gluecksgriff! Ein Volltreffer!
Was ich bisher noch nicht erwaehnt habe: In Sibiu findet immer ab den 30. Mai bis zum 6. Juni ein grosses - angeblich das 3. groesste - Theaterfestival statt. Und ich bin dabei.
Schon am Nachmittag fanden 2 Gigs statt. Eine Musikgruppe, mit vielen Blaesern sowie Strassentheatertruppe.
Am Abend, zog ebenfalls eine Gruppe, offensichtlich mit internationaler Besetzung, durch die Strassen von Sibiu. Es war ein Art archaisches Feuerspektakel alla "La Fura del Baus". Etwas aehnliches hat man schon haeufiger gesehen. Nichtsdestotrotz war es schoen anzuschauen. Leider konnte ich es ganz so geniessen, weil ich die ganze Zeit den drecks Rucksack mit mir herum schleppen musste.
Danach, meinte Andrei, wir sollten zur Aftershowparty gehen: Wo es schon oefters war. Obwohl er eigentlich nicht zum erlauchten VIP-Kreis der beguenstigten zaehlt. Doch bisher war es wohl kein Problem dort hinein zu kommen.
Dort angekommen preschte ich erstmal nach vorn. Denn ich realisierte sofort, und sah es gleichzeitig in Andreus Gesichtausdruck, dass heute ein anderer Wind weht: Man musste schon den VIP-Ausweiss vorzeigen koennen, um die regide Huerde der Einlasskontrolleure (sahen aus wie Cops, und waren vermutlich auch welche) zu ueberwinden. Doch mein forsches Auftreten verunsicherte die Typen derartig, dass ich mich erstmal fragten, welcher Truppe ich denn zuzuordnen bin - dabei zogen sie eine Liste heraus, die sie mir vorlegten. Ich nicht dumm, zeigte auf die Truppe mit der groessten Anzahl, und schon war der Drops geluscht. Beim Eintreten machte ich das Wachpersonal noch darauf aufmerksam das Andrei auch dazu gehoert und schon waren wir drin.
O.k., leider war es wenig kalt draussen und irgendwie fand ich die Veranstaltung auch nicht ganz so spannend. Nach einem Bier sind wir dann auch schon wieder gegangen. Andrei wollte noch in einem Lokal einkehren, um ein paar Freunde zu treffen. Das Lokal war nett: Ein Kellergewoelbe aehnlich wie in Budapest. Zwei der Maedels sprachen deutsch, weil beide auf eine Deutschen Schule in Sibiu waren und zudem eine der Beiden ein soziales Jahr in Sueddeutschland absolvierte.


Gut eine Stunde spaeter waren wir bei Andrei zu Hause. Ein einfaches Haus. Ich fand es toll. Allerdings mit ein paar Besonderhaiten: U.a. einer Taube auf der Toilette sowie einer Landschildkroete im Flur. Da ich mit Andrei zusammen in einem Zimmer schlief und nur ein Bett vorhanden war, bat mir Andrei mir das Bett an. Fuer heute nahm ich das Angebot dankbar an, aber fuer die Zukunft, machte ich Andrei deutlich, werden wir das Schlaflager tauschen.

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